Mikroplastik in der Arktis

(dm) Zwei junge Forscher machten sich letztes Jahr mit Sack und Pack auf den Weg nach Norwegen, um im ewigen Eis, mitten in der unberührten Natur, die Anteile von Mikroplastik zu erforschen.  

Einer dieser Forscher, der Junge Österreicher Namens Sebastian Pohl erzählt an der RSB von seiner Expedition, welche er zusammen mit Max Kortmann gemacht hat.  

Mit sehr wenigen Kleidern und viel Forschungsgepäck durften sie auf dem Segelboot der schweizer Familie Schwörer, welche seit Jahre mit ihrem Segelboot unterwegs ist, anheuern und mit ihnen diese Expedition antreten. Die Reise war gerade in der Zeit von Corona sehr schwierig und sie mussten bei der Einreise in Norwegen für einige Tage in Quarantäne. Da die Quarantäneregeln aber dort nicht so streng sind wie bei uns, konnten sie schon in dieser Zeit erste Forschungen betreiben. Und vor allem konnten sie das Segelboot einräumen. Sie mussten Essen für sechs Wochen und acht Personen auf 15 Quadratmeter verstauen. Alles Forschungsmaterial lagerten sie in ihren kleinen Kajüten. Sebastian hat uns erklärt, dass der beste Rückzugsort das WC war. Dort war auch der Süssigkeiten Vorrat gelagert.   

Untersucht haben sie Wasser, Schnee, Luft, Sedimente und Kot von Tieren.  

Der erste grosse Forschungsort war Spitzbergen. Dort sind Forscher aus der ganzen Welt stationiert. Die ersten grossen Gletscher konnte man sehen. Aber leider war in der Nähe der Küste schon sehr viel geforscht worden und so viele Spuren vorhanden. Damit sie in unberührter Natur forschen konnten, wanderten sie mit schweren Rucksäcken, Schneeschuhen und Gewehren (wegen der Eisbären) 16 Stunden lang ins Landesinnere. Es war sehr streng, kalt und es ging lange.  

Bei den Forschungen haben sie Baumwollanzüge getragen, damit sie die Forschung nicht mit ihren eigenen Kleidern kontaminierten.  

Weiter ging es danach nach Longyearbyen. Obwohl sehr wenige Menschen dort leben, gibt es viele Spuren von Schneemobilen, welche zu den imposanten Gletschern führen. Dort hat es hochfrequentierte Gletscher auf einer Höhe von 800 m.ü.M. Dementsprechend viel Abfall und Mikroplastik haben sie gefunden. Ganz viel Mikroplastik stammt von Outdoorbekleidung, aber auch von liegen gelassenem Abfall. 

Aber auch an Orten, an denen noch nie Menschen vorbei gekommen sind haben sie Mikroplastik gefunden. Nun stellt sich die Frage, wie dieser dorthin gelangt ist. War es der Wind? Die Vögel, andere Tiere? Das herauszufinden ist nun Teil der Arbeit von Sebastian und Max.  

Insgesamt haben sie eine Strecke von ca. 6000 Kilometer in 6.5 Wochen zurückgelegt. Anschliessend verbrachten sie eine Woche auf Island, um die letzten Forschungen zu machen. Auf ihrer Expedition sind sie in sehr beeindruckende Gegenden vorgestossen. Vielen Tieren sind sie begegnet. Unter anderem Walen, Eisbären (zum Glück nicht zu nahe), Polarfüchsen, Rentieren, Seelöwen, Delfinen und Vögel. Nun gilt es zu erforschen, welche Rolle die Tiere bei der Verbreitung von Mikroplastik haben und ob der Mikroplastik den Tieren schadet.  

Nach dem sehr beeindruckenden Vortrag durften wir Sebastian zuschauen, wie er zwei Versuche vorführte. Beim einen hat er Stoff von einem Kinderpullover in Wasser mit Waschmittel gelegt und anschliessend abgefiltert. So konnte man gut erkennen, dass Bestandteile im Wasser zurückbleiben. Leider kann auch die beste Kläranlage nicht alle diese Teile herausfiltern und so gelangen sie in den Wasserkreislauf.  

Beim zweiten Versuch hat er eine Kinderzahnpaste in Wasser aufgelöst und abgefiltert. Auch hier konnten wir deutlich die Spuren von Mikroplastik erkennen. Diese werden der Zahnpaste zugefügt, damit diese gelartig ist.  

Insgesamt nehmen wir pro Woche ca. 5 Gramm Mikroplastik zu uns. Was man schon weiss, ist, dass das eine Antibiotikaresistenz begünstigt. Weiter hat man noch nicht viele Langzeitstudien, welche Schäden es auf unseren Körper hat. Man vermutet, dass es an verschiedenen Sachen eine Mitschuld trägt, kann es aber noch nicht beweisen.  

Klar ist aber, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfinden muss.  

In dieser europäischen Woche der Nachhaltigkeit konnten wir so den Schülerinnen und Schülern eine spannende Abwechslung zum normalen Unterricht bieten. Ausserdem haben wir mit jeder Klasse geschaut, was Nachhaltigkeit bedeutet. Alle haben sich ein Ziel gesetzt, wie sie nachhaltiger leben können. Die Ziele hängen nun an unserer BNE Wand. Wir hoffen, dass möglichst viele die Ziele erreichen werden.  

Dieses Projekt und weitere Arbeiten von Sebastian Pohl kann auf seinem youtube-Kanal oder auf Instagramm unter Plastic.Arctic verfolgt werden